Eine nicht ganz ernstzunehmende Geschichte über den verschwenderischen Drang zur kollektiven Körperertüchtigung.

                                                                                                                                                 Bpunkt

… oder so

Wir leben in einer Welt der Extreme. In solch einer Welt muss alles bis ins Detail ausgebaut und verkompliziert werden. Dabei ging es anfangs doch um etwas ganz anderes… Für jeden alles passend machen und nicht mehr darauf vertrauen, dass es schon passen wird, wenn der Nutzer es machen möchte. Individualisierung, Modernisierung, Sanierung,  Bedingung, End(d)ung…. am Ende ist dann alles Dung! Doch ich gehe davon aus, dass auch daraus, wie eh und je, etwas gebaut wird und man mit einem entsprechenden Bio-Aufkleber auch daraus Profit schlagen wird. 

Wer hat eigentlich der Marketingabteilung die Regierung der Welt übertragen? Hab ich da etwas verpasst? Letzte Woche ging ich zum Lidl einkaufen, weil unser Aldi-Markt umgebaut wird. Mit einem großen ’10 Prozent auf alles‘-Plakat wurde ich eingeladen beim Lidl einzukehren; eine schöne Alternative zur 4-wöchigen Umbauphase bei Aldi, dachte ich….. Doch als ich den Laden betrat, kam ich in einem Umzug der besonderen Art an.

Der ohnehin bis dahin nicht gerade übersichtlich strukturierte Laden, war im Begriff sich umräumen zu lassen. Was grundsätzlich kein Problem gewesen wäre, wenn auch nur ansatzweise eine Orientierung ersichtlich gewesen wäre. Ziemlich entnervt sprach ich nach 15-minütiger Orientierungsreise einen Mitarbeiter an, der mir aber auch keine Struktur und Erklärung geben konnte, warum die Konserven jetzt an 3 verschiedenen Stellen stehen. Also versuchte ich es noch einmal auf eigene Faust, ohne Erfolg. Der Wagen blieb leer und meine Nerven begannen zu glühen. 

Mein nächstes Ansprechopfer war dann der Geschäftsführer, der meinen Unmut mit dem Satz beantwortete: „Wir räumen gerade um und wissen auch nicht so genau, wo was steht (und wohin das führt….).“ Mittlerweile waren 30 Minuten meiner kostbaren Lebenszeit verloren. Der Grund, Lidl will auch ein Marketingkonzept wie Aldi umsetzen, ohne es allerdings verstanden zu haben. Nachdem ich unverrichteter Dinge den Laden wieder verließ, war ich allerdings um eine Erfahrung reicher: Ich werde die nächsten Monate erst einmal nicht mehr einkaufen gehen und meine Zeit lieber mit dem Studium der Satzungen des besagten Fitness-Studios verbringen, da kann ich wenigstens für die nächsten 33 Jahre im voraus planen und natürlich auch zahlen. Das macht Sinn, denn so lange werde ich sicherlich nicht mehr leben, es sei denn, das Seniorenprogramm für 90-Jährige wird von einer Marketingagentur überarbeitet, damit ich den Workout in meinen Sarg mit der entsprechenden Fitness antreten kann….  

Gpunkt
perspektivencoach.de